Erwin Brotschi-Aregger

03.07.1893 - 23.02.1968

In gewohnter Pflichtauffassung kehrte alt Bürgerammann Erwin Brotschi-Aregger in seiner Funktion als Forstpräsident von einer Waldbesichtigung zurück, als er von einem Unfall ereilt wurde, der eine ärztliche Behandlung in dem Bürgerspital Solothurn notwendig machte. Die Hoffnungen auf baldige Genesung blieben aber unerfüllt, weil es vom höchsten Gebieter über unseren Lebenslauf anders bestimmt worden ist. Die unfassbare Todesnachricht löste in der ganzen Dorfschaft eine verständliche Bestürzung aus, denn sozusagen bis zum letzten Tag sah man den allgemein geachteten Mann eiligen Schrittes seinen Aufgaben nachgehen, weil man gewohnt war, von ihm vollen persönlichen Einsatz und höchstes Pflichtbewusstsein, trotz seiner 75 Lebensjahre, zu erwarten. Mit dem Tode von alt Bürgerammann Erwin Brotschi verliert die Dorfschaft eine profilierte Persönlichkeit, deren Lücke auszufüllen schwer halten wird, dazu der Verlust eines guten Gatten und Vaters in einer ehrenhaften Familie kommt, die auf strengen christlichem Glauben aufgebaut wurde. Erwin Brotschi war ein Mann, der stets seinen geraden Weg ging und der sich neben seiner Berufsarbeit restlos für alles einsetzte, was der Gemeinschaft nützlich sein konnte, mit Verzicht auf jeglichen Eigennutz. Nach Übernahme des elterlichen Bauernhofes und nach Gründung einer eigenen Familie mit der Bauerntochter Agatha Aregger, in der er in allen Situationen und in der Erziehung seiner drei Söhne und einer Tochter zu tüchtigen Menschen eine nie versagende Stütze fand, stellte er sich der Bürgergemeinde als Gemeinderat zur Verfügung, um nach dem Tode von Johann Hugi das Ammannamt der Bürgergemeinde während voller 30 Jahre zu übernehmen, stets geleitet von einer klugen Planung und einer strengen Konsequenz, weil ihm das Wohl ,,seiner" Bürgergemeinde am Herzen lag, für die er keine Opfer scheute. Sein Interesse war aber auch nicht weniger auf die Sorge um die ausgedehnten Waldungen der Bürgergemeinde gerichtet, stand er doch 17 Jahre bis zu seinem Tode der Forstkommission als Präsident vor. So finden wir ihn auch im Vorstand des Leberbergischen Zweckverbandes der Bürgergemeinden, im kantonalen Bürgergemeindeverband und im Waldwirtschaftsverband Solothurn-Lebern, wo sein Wort etwas galt. Damit war das Pflichtmass von Erwin Brotschi in der Öffentlichkeit noch nicht erfüllt. Wir treffen ihn in den führenden landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden an massgebender Stelle und als zuverlässigen Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft, welches Amt er auf den Jahreswechsel 67/68 seinem Sohn übertragen hat, wie auch als Mitinitiant bei der Durchführung des grossen Meliorationswerkes auf der Witi während des zweiten Weltkrieges. Der Vollständigkeit halber müssen wir noch festhalten, dass Erwin Brotschi der Darlehenskasse während 20 Jahren als Kassier diente und von 1942 bis zu seinem Tode an der rapiden Entwicklung der Kasse als umsichtiger Präsident grossen Anteil hatte, dank seines vorsichtigen Abwägens aller Entscheide und weil er in allen seinen Lebensaufgaben immer nur dann zustimmte, wenn er vom Guten und Gerechten des zu Schaffenden überzeugt war. Dem Vaterland diente er 1914 bis 1918 bei den fahrenden Mitrailleuren und fehlte an keiner Erinnerungsfeier. Erwin Brotschi war politisch ein Volksparteimann von altem Schrot und Korn, der aber des andern Meinung achtete und stets eine vertrauensvolle Atmosphäre zu gestalten wusste. Die Trauerfeier erbrachte den Beweis dafür, dass der Verstorbene nicht nur in der Dorfschaft, sondern bis in weiteste Kreise geschätzt war. Eine grosse Trauergemeinde, darunter Landammann Dr. F.J. Jeger, gab dem Verstorbenen das letzte Geleit. Vor der Totenmesse in der überfüllten Kirche umriss Pfarrer Studer das vielfältige Lebensbild des Dahingegangenen als bescheidenen, lebensernsten und gelegentlich auch frohmütigen Menschen, Familienvater und Staatsbürger. Bürgeramman J. Bur dankte ihm aufrichtig namens der Bürgergemeinde und der Forstkommission, Kantonsrat 0. Karli namens der landwirtschaftlichen Genossenschaftsorganisationen sowie der Christlich-sozialen Volkspartei, während alt-Kantonsrat J. Aerni die Verdienste Erwin Brotschis um die Entwicklung der Darlehenskasse würdigte. 

Möge der Heimgegangene für seine voll erfüllten Lebenspflichten seinen Frieden im ewigen Vaterhause finden.

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